Berlin als Partystadt | Ist der Höhepunkt vorbei?

Geschrieben von am 27. April 2011 | Abgelegt unter Diskussionen

Berlin ist die Metropole, die Hauptstadt alles Möglichen: Des Techno, neulich hörte ich sogar, Hauptstadt der Rock-Musik, Party Hauptstadt alle Mal und natürlich auch die inoffizielle Kulturhauptstadt.

Doch ganz ehrlich: Gefühlt ist der Höhepunkt Berlins als Partymetropole längst nicht mehr so gut wie sein Ruf. Ich möchte sicherlich nicht auf die “Früher war alles Besser” Methode zurückgreifen, aber ich denke so ein Hype wie Berlin ihn erlebte, hat irgendwann seinen Höhepunkt erreicht und die Welle verringert sich.

Berlins Höhepunkt als Partystadt

In den Mitte 90er Jahren waren viele Clubs in Berlin Mitte beheimatet. Mit dem Einzug der Regierung verschwanden die Clubs gen Friedrichshain und Prenzlauer Berg. Schon damals war Berlin als Underground und Kulturstätte bekannt. Die freiheitliche Mentalität der Stadt zog Freidenkende und Kunstschaffende an. Es gab eine Untergrundkultur – und da möchte ich Adorno recht geben – und nur diese ist wahre Kultur. Was sich kommerzialisiert hat, ist keine Kultur mehr, sondern Kulturindustrie.

Doch nach und nach kommerzialisierte sich die Party. Elektronischer Musik, sagte man ja schon immer nach, dass Sie das System des Kommerzes kapiert habe und klar, ne Elektro Party ist immer teurer als beispielsweise Rock Partys. Die Leute arrangierten sich damit, ist es dann nicht mehr Kultur. Ich denke diese Szene hat eine interessante Brücke gefunden, bestehend auf der Basis, dass Kultur Geld kosten muss. Doch das lenkt zu sehr vom Thema ab.

Viele Linke Gruppierungen wurden zerschlagen, überall in Berlin – natürlich mit finanziellen Mitteln und damit der Legitimität der Staatsgewalt. Doch auch andere Kultureinrichtungen wurden verdrängt, um Platz auch für Prestigeprojekte zu machen. Die Bahn unter Mehdorn war nicht das einzige “Unternehmen”, das der Idee folgte.

Mietpreise und Untergrund: Berlin und die Party

Die Partys in Berlin brachten sich dem Altar des Geldes dar, sowie es auftauchte. Das ist nicht weiter verwunderlich, lässt sich doch viel Geld damit verdienen und die Leute machen es mit… bis zu einem gewissen Punkt. Ich kann es nicht in Worte fassen oder mit dem  Finger darauf deuten, aber durch den Kommerz verlieren Partys und Locations auch an Authenzität. Vielleicht kommen diese mit den Menschen, die sich Kultur schaffen… doch meist haben diese Leute eher wenig Geld. So wandern die Partys, der Hype immer hinter diesen Leuten her, ohne sie erreichen zu wollen.

Kultur entsteht wo Armut ist, folgen wir dieser These, erklärt sich das komische Gefühl dass es an vielen Partys an Authenzität mangelt. Sehen wir beispielsweise den Wohnungsmarkt in Berlin, so erkennt man dass den billigen Wohnungen in Berlin die subkulturellen Menschen der Stadt folgen. Dahin folgen die Studierenden, dahin kommen die Partys und dann kommt der Kommerz. Von Mitte nach Prenzlauer Berg, nach Friedrichshain und jetzt gen Neukölln. Natürlich spielt auch die Gentrification mit herein, aber diese lasse ich absichtlich außen vor. Betrachten wir nur den Berliner Partyeffekt, so lässt sich auch ohne die Gentrification eine entsprechende Veränderung Berlins betrachten, die man Vorort fühlt.

Gefühlt neigt sich diese Kulturgut dem Ende zu, denn die liberalen Gedanken verschwinden mit dem Reichtum… Fehlt die authentische Kultur, bleiben womöglich auch die Party-Touristen aus – was ebenfalls von wirtschaftlicher Bedeutung ist…

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